Lessons learned: Krisenkommunikation in Covid 19–Zeiten

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von Micha Guttmann

Skandalisierung von Irrtümern, Unterlassungen und Fehlentscheidungen:  die Krisenkommunikation im Zusammenhang mit der Covid 19-Pandemie steht vor neuen Herausforderungen bei der Planung einer seriösen und Schaden begrenzenden Konzeption.

Die bewährten Strategien und Taktiken, die sich soweit wie möglich an Fakten und Transparenz orientieren, führen nur noch eingeschränkt zum gewünschten Erfolg.

Aktuell ändert sich die Faktenlage fast wöchentlich, wissenschaftliche Experten präsentieren öffentlich unterschiedliche Lösungsvorschläge und die Öffentlichkeit ist stark emotionalisiert.

In einer solchen Situation lassen sich die für politische Entscheider daraus resultierenden Maßnahmen in der Öffentlichkeit nicht mehr nur rational vermitteln.

Vielmehr muss bei Planung und Umsetzung der Krisenkommunikation vor allem die emotionale Kommunikationsebene erheblich mehr beachtet werden als in anderen schwierigen Kommunikationslagen.

Dies ist in den vergangenen Monaten weitgehend nicht geschehen.

Vor allem haben Politiker und Wissenschaftler es versäumt, den notwendigen Perspektivwechsel vorzunehmen und ihre öffentlichen Statements dazu zu nutzen, die Interessen und Bedürfnisse der Adressaten, also der Bürger und Bürgerinnen, anzusprechen. 

Zumeist bestimmten lediglich Zahlen und Daten sowie für Bürgerinnen und Bürger kaum noch nachvollziehbare politische Entscheidungen die Lösungsansätze der Politik.

Dabei kam es in der Folge oft zu sich widersprechenden Maßnahmen, die zu einem steten Vertrauensverlust in die Politik führten. 

Zusätzlich konnten viele politisch Verantwortliche auf Bundes- und Landesebene der Verlockung nicht widerstehen, so oft wie möglich vor Kamera und Mikrofon aufzutreten, um ihre politische Entschlusskraft zu demonstrieren. Es kam zu einem fast eitlen Wettbewerb, wer die meisten Auftritte in Reportagen und Talkshows hatte.

Gerade in Krisensituationen ist diese Strategie aber absolut falsch.
Bei unklaren Sachlagen und nicht vorhersehbaren Entwicklungen lassen sich öffentlich nur Mutmaßungen und Spekulationen diskutieren.

Politische Entscheider sollten sich deshalb an medialen Auftritten nur in geringem Maße beteiligen.

Mit der zwangsläufigen inhaltlichen Ungewissheit ihrer Statements tragen sie zur Politikverdrossenheit in der Öffentlichkeit bei und gefährden nebenbei ihre Reputation. Faktenlage und neue Erkenntnisse können ihre Aussagen schon Stunden später als fehlerhaft herausstellen.

Und nur wenige sind so souverän, eigene Fehleinschätzungen aufrichtig einzugestehen. Geschadet hat es ihnen nie. Auch dies ist eine aus der Praxis gewonnene Erkenntnis der Krisenkommunikation.

Micha Guttmann
Kommunikationsberater und Rechtsanwalt