Zwischen Rechts- und Krisen-kommunikation: Öffentlichkeitsarbeit in Insolvenzverfahren

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Von Dr. Constanze Baumgart

Die Öffentlichkeitsarbeit in einem Insolvenzverfahren vereint gleich drei Königsdisziplinen der Kommunikation: Sie bewegt sich an der Schnittstelle von Litigation PR, Rechtskommunikation und Krisenkommunikation.

Es handelt sich um ein rechtliches Verfahren, das im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht. Gleichzeitig ist der Insolvenzverwalter nicht selten der „böse Bote“, der Überbringer schlechter Nachrichten – und damit ein klassischer Fall für die Krisenkommunikation.

Insolvenzverfahren gehören in Wirtschaftsredaktionen zu den Top-Themen – und dies nicht nur bei so skandalumwitterten Zusammenbrüchen wie Wirecard oder der Greensill Bank.

Das Interesse der Öffentlichkeit ist groß, geht es doch um Arbeitsplätze, Existenzen und nicht selten auch um die langjährige Tradition eines Unternehmens oder Vereins – und fast immer sind Emotionen im Spiel. Man denke nur an Insolvenzen von Fußballvereinen.

Nicht selten vernebeln da Gefühle die Ratio.

Herausforderung für interne und externe Kommunikation

Für den Insolvenzverwalter ist die Kommunikationslage häufig komplex. Vom Tag des Insolvenzantrags an bis zur Aufhebung des Verfahrens begleiten ihn die Fragen der Medien.

Das öffentliche Interesse ist berechtigt, die Medien erfüllen mit der Berichterstattung über wirtschaftliche Ereignisse und Entwicklungen eine ihrer Kernaufgaben.

Antworten kann oder darf der Insolvenzverwalter aus gutem Grund nicht immer geben, geht es doch häufig um vertrauliche Interna, um sensible rechtliche Fragen.

Zusätzlicher Druck baut sich auf, wenn das Insolvenzverfahren in turbulente Fahrwasser gerät: Aus unserer Arbeit kennen wir die Fälle, wenn Stakeholder eigene Interessen verfolgen, ein Investor zurückzieht, Medien nicht (mehr) objektiv berichten sowie Attacken unter der Gürtellinie den Ruf des Insolvenzverwalters zu beschädigen drohen.

Mit einer differenzierten Kommunikationsstrategie und den richtigen Instrumenten zur richtigen Zeit lässt sich solchen Situationen häufig die Spitze nehmen.

Ebenso müssen Insolvenzverwalter und Kommunikationsverantwortliche gemeinsam festlegen, wann die Werkzeuge der Kommunikation nicht mehr greifen und (medien)rechtliche Schritte in Betracht kommen.

Imagewandel des Insolvenzverwalters

Eine gute Nachricht zum Schluss: Wir beobachten in unserer Tätigkeit der letzten Jahre einen Imagewandel der Tätigkeit des Insolvenzverwalters.

Als das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen 2012 an den Start ging, war das Bild des Konkursverwalters, der ein Unternehmen abwickelt, noch nicht gänzlich aus den Köpfen verschwunden.

Heute überwiegt die Wahrnehmung des Insolvenzverwalters als eines Spezialisten, der im letzten Grad der wirtschaftlichen Krise dazu gerufen wird – und im positiven Fall das Unternehmen am Markt neu aufstellen kann.

Dr. Constanze Baumgart
Kommunikationsberaterin und Kommunikationscoach