Zwischenruf: Wie und worüber reden wir in der Pandemie?

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von Michael Rausch

Lockerungen, Durchseuchung, Herdenimmunität, Impflinge … Begriffe wie diese gehen uns allen mittler-weile locker über die Lippen.

Aber was macht eine solche Sprache mit unserem Denken? Zeit für einen Zwischenruf zwischen Osterruhe, Bundesnotbremse und Lockerungsorgien.

Mal ganz ehrlich: Wer wusste vor einem Jahr, was eine Inzidenz, ein R-Wert oder eine Mrna-Technologie ist?

Mittlerweile reicht das Aussprechen einer dieser Begriffe und man hat binnen kürzester Zeit dazu (a) eine eigene feste Position und (b) eine leidenschaftliche Diskussion. Biontech oder Astra Zeneca?

Schulöffnungen bei 200 oder 165? Ausgangsbeschränkung ja oder nein?
Die Pandemie hat uns alle zu „Experten“ gemacht, was auch verständlich ist, greifen die Schutzmaßnahmen doch tief in unseren Alltag ein.

Allerdings finden sich unter den über 600(!) mittlerweile von der Sprachwissenschaft ermittelten „Corona-Begriffen“ problematische Begriffe in den Diskussionen.

„Lockerungen“ waren zumindest bislang Maßnahmen, die man zu einer Freiheitsstrafe Verurteilten gewährte. „Durchseuchung“ – munter in Talkshows ausgesprochen – wird als Zielbild für eine Masse von Menschen formuliert.

Und mit dem Wort „hamstern“ – auch dies eine Anleihe aus der Tierwelt – werden Menschen verächtlich gemacht, nur weil sie aus Angst vor leeren Regalen mehr als eine Rolle Toilettenpapier in ihren Einkaufs-wagen packen.

Lasst uns vorsichtig sein mit dem, was wir sagen.

Irgendwann wird die Pandemie vorbei sein und dann werden uns Begriffe wie Bazooka, social distancing oder Durchimpfung noch leidtun.

Michael Rausch
Kommunikationsberater und Dozent