Von Micha Guttmann

Henriette Reker, die neugewählte Oberbürgermeisterin in Köln, hatte einen schwierigen Start. Nach den kriminellen Vorfällen in der Neujahrsnacht rund um den Hauptbahnhof musste sie den Medien Antworten geben. Dies gehört zu ihren Aufgaben, auch wenn sie gerade erst die Amtsgeschäfte übernommen hatte. In dieser hektischen Situation beantwortete sie Fragen der Journalisten. Und in dieser Fragerunde formulierte sie unter anderem einen Ratschlag, wie Frauen sich gegen Übergriffe in der Öffentlichkeit wehren könnten: Sie sollten „eine Armlänge Abstand“ zu Männern halten. Hohn und Spott waren die Folge, im Netz, vor allem aber auch in politischen Stellungnahmen. Henriette Reker musste gleich zu Beginn ihrer Amtszeit lernen, dass die Öffentlichkeit politischen Amtsträgern keine Gnade zuteil werden lässt, wenn sie sich, wie hier, auch nur in einer Formulierung missverständlich äußern. Der öffentliche Auftritt, insbesondere in Krisensituationen, wird für die Betroffenen damit zur Stolperstrecke, auf der man sehr leicht zu Fall kommt. Diese Entwicklung hat Folgen. Die Überlegung, was nicht gesagt werden soll, wird zunehmend wichtiger als die Überlegung, was zu sagen ist. Kommunikation in der Krise bedeutet heute für die Handelnden, sich bewusst zu machen, dass es während des Interviews oder der Pressekonferenz keine Sekunde des „ geistigen Aussteigens“ geben darf. Jeder Satz muss präzise sein und darf keinen Spielraum für Missinterpretationen geben. Dies fordert den Betroffenen fast übermenschliche Kräfte ab, da es oft scheint, dass die Medien auf den Stolperfall geradezu warten. Und der Wahrheitsfindung dient diese Entwicklung mit Sicherheit auch nicht.